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Der Bembel-Brief ↗
Dandy Digital / Der Kodex

Der Kodex

Mit Haltung meine ich keine ununterbrochene gute Figur. Ich meine den Versuch, genauer hinzusehen und die eigenen Vorlieben nicht ständig mit einer allgemeingültigen Ordnung zu verwechseln.

Ein Gegenstand darf schön sein und trotzdem unnötig. Ein guter Satz darf mir gefallen und trotzdem gestrichen werden. Wenn ich jemanden unterbreche, sollte ich zuerst mein Verhalten prüfen und nicht die Lautstärke seiner Stimme.

Dieser Kodex ist eine Arbeitsfassung. Er erklärt nicht, wie ein anständiger Mensch sich anzieht. Er legt fest, woran sich dieses Journal gelegentlich messen lassen muss.

Benutzen, bevor ich ersetze

Ich möchte wissen, warum ein Gegenstand nicht mehr funktioniert, bevor ich nach seinem Nachfolger suche. Manchmal ist die Antwort ein lockerer Knopf. Manchmal ist sie komplizierter. Nicht jede Reparatur muss ich selbst können.

Geschmack ohne Aufsicht

Ich kann ein Getränk anders bestellen, ohne den Nachbartisch zu erziehen. Eine Vorliebe verliert nichts dadurch, dass jemand sie nicht teilt.

Aufmerksamkeit mit Rückfällen

Das Telefon ist nützlich. Es ist auch häufig dabei, wenn ich jemandem nur halb zuhöre. Ich will mir den Unterschied nicht von einer Statistik erklären lassen müssen.

Sätze, die etwas tragen

Eine Formulierung soll sagen, was gemeint ist. Ein großes Wort darf vorkommen, wenn ein großes Wort nötig ist. Es muss nicht die Arbeit eines fehlenden Beispiels übernehmen.

Frankfurt als Alltag

Die Stadt muss keinen eindrucksvollen Hintergrund liefern, damit ich über sie schreiben kann. Ein gewöhnlicher Weg kann einen Text tragen. Manchmal trägt er nur nach Hause. Auch das genügt.

Ausführlicher steht der Anfang dieser Überlegungen in Haltung ist kein Kleiderbügel. Spätere Einträge dürfen dem widersprechen, wenn sich dafür ein guter Grund findet.