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Der Bembel-Brief ↗

Kleinmarkthalle Frankfurt, 11:47 Uhr

Leo geht mit dem Wort „Gemüse“ auf dem Einkaufszettel in die Kleinmarkthalle. Der Einkauf wird konkreter, seine Vorstellungen von richtigem Stadtleben etwas weniger.

Eine Hand trägt eine gefüllte Einkaufstasche und einen Zettel.
Illustration für Dandy Digital

Um 11:47 Uhr stehe ich in der Kleinmarkthalle mit einem Einkaufszettel, auf dem „Gemüse“ steht. Das ist keine Planung. Es ist eine Kategorie.

Vor mir weiß jemand sehr genau, was er möchte. Hinter mir wartet jemand, der es eilig hat. Ich versuche, gleichzeitig höflich, entschlossen und ortskundig auszusehen. Das gelingt am besten, solange niemand eine Frage stellt.

Ich komme gern hierher, weil sich ein Einkauf nicht vollständig auf das Abarbeiten einer Liste reduzieren lässt. Man muss schauen, warten, etwas tragen. Ein Bildschirm kann zwar ebenfalls sehr zuverlässig Dinge in einen Warenkorb legen. Er verlangt aber selten, dass ich jemandem Platz mache.

Die Kleinmarkthalle Frankfurt ist auch ein Ort, an dem unterschiedliche Vorstellungen von Stadt aufeinandertreffen. Für manche ist sie Alltag, für andere ein Ausflug. Ich bin je nach Einkauf erstaunlich schnell auf beiden Seiten. Wer mit einem Kaffee im Weg steht, ist ein störender Besucher. Wenn ich selbst mit einem Kaffee im Weg stehe, nehme ich am Stadtleben teil.

Die hessenschau beschrieb schon 2025, wie neues Publikum in die Kleinmarkthalle kommt. Ich würde daraus keinen Kampf zwischen richtigen Einkäufern und falschen Besuchern machen. Eine Halle ist kein persönliches Erinnerungsstück. Andere dürfen sie anders benutzen als ich.

Für meinen eigenen Besuch hilft eine kleine Beschränkung: erst einkaufen, dann herumstehen. Ich nehme eine Tasche mit und entscheide mich für ein Essen, statt für ein abstraktes besseres Leben mit mehr frischem Gemüse. Heute werden es Kartoffeln und etwas, das dazu passt. Als der Einkauf konkreter wird, werde ich umgehend angenehmer im Umgang.

Wer hier einen vollständigen Marktführer erwartet, soll ihn nicht zwischen meinen Vorlieben zusammensuchen müssen. Dies ist eine Notiz über einen Besuch, kein aktuelles Verzeichnis der Stände. Ich verspreche weder das beste Frühstück noch die kürzeste Schlange. Öffnungszeiten und aktuelle Angebote sollten Sie vor Ihrem eigenen Besuch gesondert prüfen.

Um 12:06 Uhr verlasse ich die Halle. Auf dem Zettel könnte ich „Gemüse“ abhaken. Ich tue es nicht. Einen erledigten Begriff in der Tasche herumzutragen, erscheint mir plötzlich ausreichend.