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Der Bembel-Brief ↗

Spazieren in Frankfurt, ohne ein Programm daraus zu machen

Mainufer, Grüneburgpark oder ein Abschnitt im GrünGürtel: Leo wählt einen Ausgang nach Zeit und Lust, statt jede freie Stunde zu einem Ausflugsprojekt zu machen.

Ein Wanderschuh auf einer Karte vor einer Flusslandschaft.
Illustration für Dandy Digital

Wenn ich in Frankfurt spazieren gehen will, brauche ich manchmal länger für die Auswahl des Weges als für den Weg selbst. Ich vergleiche Ufer, Parks und mögliche Umwege, als müsse eine ungenutzte Stunde eine Bewerbung bestehen.

Dabei habe ich drei Ausgänge, für die mir eine einfache Entscheidung genügt.

Am Main entlang

Für einen gut erkennbaren Anfang gehe ich ans nördliche Mainufer. Zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke lässt sich ein überschaubares Stück Ufer zum Ausgangspunkt machen und nach eigener Zeit verlängern. Ich lege vorher nicht fest, welche Aussicht die beste sein muss. Eine Bank oder ein freier Blick aufs Wasser darf den Plan ändern.

Ich verspreche hier weder einen durchgehend freien Weg noch eine barrierefreie Route. Baustellen, Veranstaltungen und der eigene Bewegungsradius gehören zur Wirklichkeit eines Spaziergangs. Eine Stadt ist kein fertig exportierter Wandertrack.

Vom Westend in den Park

Wenn ich schon im Westend bin, nehme ich den Grüneburgpark als Ziel und nicht als Programmpunkt zwischen mehreren anderen. Ich suche mir einen Eingang, gehe eine Runde nach Zeit und Lust und komme wieder heraus. Das klingt für einen Frankfurt-Text bemerkenswert ereignisarm. Es ist genau das, was ich daran mag.

Wer von weiter her kommt, sollte Anreise und den passenden Zugang vorher prüfen. Ich möchte nicht behaupten, mein Weg von der eigenen Haustür sei automatisch auch der beste Weg für Sie.

Etwas weiter im GrünGürtel

Für eine längere Unternehmung schaue ich auf den GrünGürtel-Rundwanderweg der Stadt Frankfurt. Die offizielle Übersicht hilft, einen passenden Abschnitt auszusuchen. Ich muss nicht den ganzen Rundweg zum eigenen Wochenendprojekt erklären, nur weil er vollständig beschrieben ist.

Vor dem Losgehen entscheide ich, wie viel Zeit ich habe, wie ich zurückkomme und was ich tatsächlich tragen möchte. Bequeme Schuhe sind dabei überzeugender als meine Vorstellung davon, wie ein Spaziergänger auszusehen hat. Wasser nehme ich je nach Strecke mit. Für Wetter und Wegzustand gibt es keine dauerhafte Zusage in diesem Text.

Gestern wählte ich die kurze Variante am Main. Ich war nach einer Weile wieder zu Hause und hatte keine neue Erkenntnis über die Stadt. Nur das Gespräch aus dem Vormittag war in meinem Kopf etwas leiser geworden. Ich zog die Schuhe aus, stellte sie neben die Tür und nahm mir vor, beim nächsten Mal weniger lange die Karte anzusehen.