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Der Bembel-Brief ↗

Drei Dinge, die diese Woche nicht besser wurden

Die Stoffserviette macht Arbeit, die Mutter stellt ihre Frage ein zweites Mal und ein Text über klare Sprache wird gelöscht. Leos Wochenfortschritt bleibt überschaubar.

Eine gefaltete Serviette neben einer Tasse.
Illustration für Dandy Digital

Ich hatte in dieser Woche mehrere Gelegenheiten, mich zu bessern. Bei dreien ist der Fortschritt bisher überschaubar.

Die Serviette

Ich mag Stoffservietten. Das ist ein Satz über meinen Geschmack, nicht über die Sitten der Nachbarschaft. Trotzdem höre ich mich manchmal sagen, es sei doch „kein Aufwand“, welche zu benutzen.

Natürlich ist es Aufwand. Jemand muss sie waschen, trocknen, zusammenlegen und bei Gelegenheit behandeln, wenn ich Tomatensauce darauf verteile. Meist ist dieser Jemand nicht das abstrakte Wir, mit dem ich die Verwendung gerade empfohlen habe.

Am Dienstag habe ich deshalb die Wäsche übernommen. Danach fand ich Stoffservietten weiterhin schön und den Satz mit dem Aufwand erheblich weniger überzeugend. Für meinen Charakter wäre es angenehm, wenn jede Einsicht ähnlich eindeutig an einer Waschmaschine zu prüfen wäre.

Das Sonntagsgespräch

Meine Mutter fragte, wie es mir gehe. Ich antwortete zunächst mit einer Zusammenfassung meiner Arbeit. Sie hörte zu und fragte anschließend noch einmal, wie es mir gehe.

Ich habe darauf keine besonders originelle Erklärung. Es ist nur leichter, einen Auftrag zu beschreiben als eine Stimmung. Zumal eine Stimmung nicht notwendig einen klaren Stand hat. Ich war weder unglücklich noch bemerkenswert zufrieden. Ich war etwas müde und froh, dass sie anrief.

Das hätte ich gleich sagen können. Wir kamen dann noch darauf. Der Bericht über meine Arbeit hatte bis dahin allerdings bereits eine ordentliche Länge erreicht. Meine Mutter kennt inzwischen wahrscheinlich Projekte, deren Auftraggeber sie nie treffen wird.

Der Satz für LinkedIn

Ein angefangener Beitrag auf meinem Rechner sollte beschreiben, warum ich weniger große Worte benutzen möchte. Im zweiten Absatz stand „nachhaltige Transformation der Kommunikation“. Ich weiß nicht mehr, ob ich das ernst meinte oder nur nicht rechtzeitig aufgehört hatte zu tippen.

Ich habe den Satz gelöscht, dann den Absatz und schließlich den ganzen Entwurf. Es blieb die kleine Frage, ob ich wirklich etwas sagen wollte oder nur eine Veröffentlichung brauchte. An diesem Tag war es offenbar die Veröffentlichung.

Den Entwurf habe ich nicht in einen besonderen Ordner für gescheiterte Ideen gelegt. Er ist gelöscht. Wenn mir später eine konkrete Beobachtung fehlt, werde ich sie nicht durch die Wiederherstellung dieser Formulierung gewinnen. Das unterscheidet sie immerhin von einer Telefonnummer, die ich versehentlich weggeworfen habe.

Am Freitag erzählte ich Anna davon. Sie fragte, ob ich nun einen Text darüber schreiben würde, dass ich keinen Text geschrieben hätte. Ich sagte, das wäre doch etwas durchsichtig.

Sie sehen, wie weit ich in dieser Woche gekommen bin.